Die 1. Etappe

Von Cuxhafen nach Madeira durch die stürmische Biskaya

Dieses ist der Beginn der Atlantiküberquerung.
Die 1. Etappe führte von Cuxhafen über England durch die brutale Biskaya, nach Lissabon und von dort nach Madeira.

Manfred Richter, unser agiler Clubwirt, war einer der 4 Seefahrer und hat die spannendsten Erlebnisse im Logbuchstil niedergeschrieben.

Er hat auch die dritte Etappe mitgemacht, die wir ebenfalls veröffentlicht haben.


So lässt sich auch stürmische Seefahrt gut aushalten, findet Hartmut Püstow, der seinen Bruder die kompletten 8 Monat begleitete.

Hartmut und Bernd brachten "No Problem" von Travemünde nach Cuxhaven.
Am 2.10.1990, 10 Uhr, stießen Günter und Manfred dazu. Unser Tennisfreund Karl Hey hat uns mit seinem Kombi zur "Alten Liebe" gebracht. Nachdem noch Proviant an Bord kam und alle Tanks voll waren, legten wir ab zum großen Törn nach Amerika.
Die Crew bestand aus Günter, Hartmut, Bernd und Manfred. Das Wetter ist gut und wer die Unterelbe kennt, weis, dass hier schon reger Schiffsverkehr herrscht. Wir segelten hart am Rand des Fahrwassers. Nach ca. 1 Stunde saßen wir fest. Wenige Meter neben einer riesigen Fahrwassertonne liefen wir auf Grund - man sollte es nicht für möglich halten. Wir schaukelten uns frei und weiter ging es erst mal Richtung Nordsee und England.
Am Feuerschiff "East Goodwin" vorbei segelten wir in den englischen Kanal. Die Nacht vorher riss uns bei schweren Sturmböen das Großsegel. Nachmittags am 4.10. ankerten wir im Vorhafen Dover. Dover selbst kann man nur mit Pilothilfe anlaufen. Wir mussten vor dem Hafen warten bis uns ein Pilotschiff (Lotse) in den Hafen geleitete. Das ist Vorschrift weil hier sehr viel Fährverkehr herrscht (Riesige Hoovercrafts, Tragflächen- und normale Fähren).
Am 5.10. morgens können wir in den Dockhafen. Das Segel wird zur Reparatur gebracht und am nächsten Morgen ging es weiter Richtung Westen. Nur 5 Stunden später waren wir wieder in Dover. Trotz guter Wettervorhersage herrschten draußen chaotische Verhältnisse - sehr starker Sturm und hohe See! Unsere Gasflasche hatte sich selbständig gemacht und schwamm plötzlich neben "No Problem". Dover Port Control meldete später 52 Knoten Wind = 10 Windstärken.
Am 7.10. liefen wir dann bei schönstem Segelwind und Wetter endgültig aus. Um 20.56 Uhr überquerten wir auf SO 40,15° Nord den Nullmeridian von Ost nach West. Dafür gab es einen kräftigen Schluck.
Am 9.10., um 1.00 nachts machen wir in Plymouth "Queen Anne's Battery Marina" fest. Wir nehmen Wasser auf und schlafen aus. Weiter geht es nach Falmouth. Imposante Küste, aber schlechtes Wetter und außerdem Wind von vorn. Am späten Abend machen wir in Falmouth fest.
Am 10.10. laufen wir in Richtung Süd-West aus. Wir wollen weiter nach Portugal - ca. 5 Tage soll es dauern, so unsere Kalkulation. Bis zum 12.10. haben wir herrliche Segeltage in der Biskaya. Aber dann!
Hier die Auszüge aus dem Logbuch:
12.Oktober 1990.
Herrlicher Segeltag in der Biskaya.
18.00 Uhr der Wind legt zu. Großsegel bekommt 2. Reff.
19.30 Uhr Manfred hat einen großen Thunfisch an der Schleppangel.
Alles freut sich auf das Fischessen am nächsten Tag.
21.00 Uhr Der schönste Sternenhimmel, 2 Stunden später pechschwarze Nacht.
13.Oktober 1990
2.30 Uhr Jetzt tobt ein Orkan. Die "No Problem" fällt in Abgründe. Die Schubladen fliegen raus. Großsegel zerfetzt, Treibanker gesetzt. Reißt ab. Bringen alles verfügbare Tauwerk, Schlafsäcke u.s.w. als Treibanker aus und laufen vor Top und Takel Richtung Osten.
6.00 Uhr Im Schiff kommt aus allen Ecken Wasser. Beide Bilgpumpen versagen. Reservepumpe wird angeschlossen. Pumpe o.K. 
Es herrscht der übelste Sturm. Einer hält angeschnallt Wache, alle anderen unter Deck.
14.Oktober 1990
Nach mehreren Versuchen Segel zu setzen und einem gescheiterten Versuch in den Mast zu klettern, laufen wir unter Sturmfock und Motor.
16.00 Uhr. Die Lage hat sich weitestgehend beruhigt. Jeder hat inzwischen wieder ein paar Stunden geschlafen. Das Barometer fällt jedoch schon wieder.
15.Oktober 1990
Der Seegang macht inzwischen allen zu schaffen. Das Schiff setzt, gerade in Fahrt gekommen, immer wieder schwer ein, Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt. Seit der Abfahrt in Falmouth 100 Stunden auf See und selten unter 6 Windstärken.
16.00 Uhr. Der Skipper meldet Land in Sicht. Der Thunfisch riecht inzwischen und geht über Bord.
21.00 Uhr. Fest an der Pier des Fischereihafens Mugia in Galizien. Anschließend exzellentes Essen im Dorfkrug. Die Welt ist wieder in Ordnung.
Unser Großsegel war wieder zerrissen und auch sonst hatten wir einige kleinere Schäden an Bord. Nachdem wir mit Hilfe von sehr netten Fischern unsere Schäden repariert und "No Problem" aufgeklart hatten, liefen wir in Richtung Süden nach Lissabon aus.
An Cap Finistere vorbei kamen wir bei gutem Segelwind am 19.10. mittags in Lissabon an. Nach den Strapazen für Mensch und Boot gönnten wir uns 2 Tage Landurlaub in Lissabon.
Am 21.10. liefen wir wieder aus.
Hierzu wieder einige Logbucheintragungen:
Manfred zelebriert eine Art Henkersmahlzeit mit Steak, Pilzen, Zwiebeln und Salat. Anschließend noch Abdichtung der Toilette. Dieses hat jedoch nichts mit Manfreds Essen zu tun.
15.00 Uhr Wir bunkern in Belem noch Wasser und gehen zum nächsten Abenteuer über. Es sieht nicht nach einer gemütlichen Reise aus.
17.40 Uhr. In einer schweren Regenbö; verbunden mit extremen Grundseen auf den Flachs vor Lissabon reißt das Großsegel. Wir drehen um. Es beginnt ein wahrer Eiertanz zurück.
21.00 Uhr. Wieder fest in Lissabon.
Schon am 22.10. liefen wir wieder aus. Diesmal geht alles gut. Wir kommen in warme Regionen und schlagen nun unseren endgültigen Kurs Richtung Madeira, unserem Etappenziel, ein. Endlich haben wir wunderbare Segeltage.
Wieder ein Auszug aus dem Logbuch:
24.10.1990
Manni fängt seinen größten Fisch.
16.00 Uhr Manni bringt Schleppleine mit Angelhaken aus und legt sich zum Schlafen.
19.00 Uhr Der Skipper kappt die Schleppleine mit Angelhaken und weckt Manni mit den Worten. "Manni komm schnell hoch, da muß ein ganz dicker Brocken an der Schleppangel sein, der mit dem Schiff kämpft." Manni glaubt dem Skipper natürlich nicht. Er ist aber neugierig und holt die Schleppangel ein. Völlig enttäuscht sagt er nur noch: "Entschuldige, ich hab Dir wirklich nicht geglaubt, aber das muß ein ganz großer Raubfisch gewesen sein, denn der hat die Leine glatt durchgebissen."
In der Nacht vom 26. auf den 27.10. bekommt unser Skipper Günter ein Ständchen gesungen. Günter wird 60. Happy Birthday! Am Abend sehen wir land voraus - Madeira kommt in Sicht.


Günter Püstow ahnt beim Start noch nichts von den bevorstehenden Strapazen.


Das große Reparieren nach dem Orkan: Bernd Runge baut die Betten neu.


Die Reste des "Groß" flattern am Mast.


In Lissabon sah die Welt schon wieder anders aus: Manni Richter und Hartmut Püstow lassen es sich schmecken.

Am 28.10, morgens 8.00 Uhr machen wir in Funchal fest. Manni und Bernd besorgen Frühstück und 2 Flaschen Madeira-Wein (18%!). Es ist sehr warm und deshalb schmecken Frühstück und Wein sehr gut. Um 10.30 Uhr stehen 4 Männer leicht angetrunken unter der Hafendusche und waschen sich den Dreck von 5 Seetagen vom Körper. Jetzt wird erst einmal Funchal erkundet. Und abends gönnen wir uns ein fürstliches Essen auf der Ex-Beatles-Yacht "Vanguard", die hier in Funchal als Restaurantschiff ihren letzten Dienst tut.
Für Bernd und Manfred ist hier die Reise zu Ende. Wir bekommen Flüge zum 30.10. nach Hamburg. Am 29.10. mieten wir ein Taxi und erkunden und umrunden die gesamte Insel, Madeira ist eine herrliche Insel ,mit wild zerklüfteter Nordküste, hohen Bergen und milder Südküste.
Manfred und Bernd mustern ab. Günter und Hartmut bringen "No Problem" anschließend in 2 Tagen nach Gran Canaria. 

Und dort beginnt das Abenteuer Atlantiküber-
querung. Siehe Etappe 3.

Hier noch ein Paar Bilder, die man durch Anklicken vergrößern kann.

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