3 FTV‘er segeln über den Atlantik!

von Manfred Richter

Von den Bermudas nach Travemünde

Freund Günter machte es möglich: Im Sommer 1990 bot er mir die Chance, und ich griff zu. So warfen fünf Männer am 3.5.1991 in „St. George Harbor" auf der Insel Bermuda die Leinen der „No problem" los und ab ging‘s auf einer Hallberg-Rassey 382 in Richtung Travemünde.
Zunächst zeigt der Kurs NO auf 38° nord Breite zu. Die Bermudas liegen auf 32° nördl. Breite, In diesen Breiten sind die beständigsten West-Ost-Winde zu finden. Die Bunker der „No problem" waren randvoll mit Diesel, Frischwasser und sonstigem Proviant gefüllt.
Skipper Günter, Hartmut und ich waren bereits sturrngeprüft, wir hatten im Oktober 1990 die wilden Wellentänze der Nordsee, Engl. Kanal, Biskaya und die Portugiesische Küste bis Madeira erleben müssen. Am 12./13. und 14. Oktober 1990 mussten wir uns im Bereich westl. Kanalausgang-Biskaya 30 Stunden lang in einem Orkan vor Top und Takel bei Windstärken um 10 und mehr treiben lassen. Einige Tage später gerieten wir vor Lissabon während eines Gewittersturms in fürchterliche Grundseen mit Wellen von 15-20 Metern Höhe.

Also sind wir drei eigentlich guten Mutes losgesegelt. Unser Skipper Günter hatte in der Karibik zwei Amerikaner kennen gelernt, die gerne mit über den Teich segeln wollten. Die beiden mussten sich noch bewähren.
Unser erstes Ziel waren die Azoren, die wir in 14-16 Tagen erreichen wollten, Der große Atlantik war auf dieser ersten Etappe recht friedlich, zeitweise zeigte er sich sogar platt und glatt wie ein „öliger Teppich" auf See. Dafür begeisterten uns wunderbare Sonnenauf- und -untergänge mit bisher nicht gekannten Farbtönen über den gesamten Himmel. Nachts erlebten wir von Horizont zu Horizont eine Sternenwelt, die jedes Seglerherz in freudige Erregung versetzte.

Ergänzt wurden diese unvergesslichen Eindrücke durch unsere bordeigene „Delphin-Show", bei der sich bis zu 25 dieser intelligenten Wesen um den Bug spielend herumtummelten, wobei die Freude hierüber offensichtlich auf Gegenseitigkeit beruhte.
Ab 38° nördl. Breite gingen wir auf Ostkurs Richtung „Fayal" - eine Insel der Azorengruppe. Wir segelten einige Tage im äußersten Bereich der Eisberggrenze, Die Tage waren mäßig warm, die Nächte eisig kalt, Von diesem Zeitpunkt an hatten wir immer Wind von vorne. Das heißt: Wind aus östlicher Richtung, NO oder SO, was wider aller Regel ist, da, wie schon gesagt, in diesen Breiten der Wind aus Westen kommen sollte.
Für uns hieß das also über den Atlantik kreuzen. Nach neun Tagen auf See erwischte es uns doch. Wir kamen in ein Tiefdruckgebiet, und es ging wieder mal zur Sache: Wind von vorne in Stärken von 8-9 machten uns schwer zu schaffen. Haushohe Wellen erforderten zwei Tage lang größte Aufmerksamkeit . Am 14. Mai, das Wetter hatte sich beruhigt, sahen wir zum erstenmal Walfische, wir standen kurz vor den Azoren, Es ist schon imposant und gewaltig, wie diese Meeresriesen sich im Wasser bewegen. Insgesamt haben wir auf dieser Reise fünfmal Wale gesichtet, alle um die Azoren herum.

 

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